Dumm, dümmer, Welt am Sonntag

1984” behandele eigentlich gar nicht die Problematiken eines Überwachungsstaates und wer das Buch gut findet, ist laut Welt am Sonntag ein Vergewaltiger, Drogendealer, Terrorist oder ein Perverser. Die Welt und Die Welt am Sonntag sind bekannt dafür, mit populistischer Meinungsmache besonders deutsche Biedermeier, aber gerne auch mal den rechten Rand zu bedienen. Was sich die Zeitung jedoch in der aktuellen Ausgabe leistet, grenzt mal wieder an schlimmste Geschichtsverdrehung. Reißerische Titel sind wir ja von diversen Zeitschriften gewohnt, manchmal verbirgt sich dahinter dann allerdings doch ein wohl durchdachter Artikel – nicht so in diesem Fall. Die Welt schreibt unter anderem, dass Autor George Orwell in seinem Buch “1984” gar keinen Überwachungsstaat skizziere, dass in dem fiktiven Staat ja mehr oder minder Meinungsfreiheit herrsche und die Hauptaufgabe von Organisationen wie der Staatssicherheit und dem KGB gar nicht die Überwachung von Bürgern gewesen sei.

“WER KEINE KAMERAÜBERWACHUNG WILL, HAT WAS ZU VERBERGEN”
Hintergrund des Artikels ist ein Plädoyer für mehr Akzeptanz von Kameraüberwachung in öffentlichen Räumen. Die Deutschen, so Die Welt, würden hier eine absurde Angst an den Tag legen, die im angelsächsischen Raum nur von Verschwörungstheoretikern geteilt werde. Entsprechend liest sich auch der Aufhänger des Artikels. Demnach ist “1984” nämlich das “Lieblingsbuch aller U-Bahn-Schubser, Vergewaltiger, Heroindealer, Terror-Planer, Grapscher, Taschendiebe, Goldmünzenräuber, Schläger und Hooligans”. Der Schluss: Ist man gegen mehr Kameraüberwachung, muss man zwangsläufig etwas zu verbergen haben. Das Argument, Kameraüberwachung helfe zwar bei der Strafverfolgung, nicht aber bei der Prävention von Verbrechen, wird ignoriert.

Dass im angelsächsischen Raum die Toleranz gegenüber Kameraüberwachung höher ist als in Deutschland, führt der Autor darauf zurück, dass Engländer und Amerikaner das Buch gelesen hätten – die Deutschen aber nicht. Auch hier wird konsequent ignoriert, dass in Deutschland nach wie vor ein starkes Bewusstsein dafür existiert, was staatliche Überwachung in den Köpfen der Menschen und im Alltag anrichten kann. Hätten die USA und England ihre Version der DDR gehabt, wäre die Einstellung gegenüber Kameraüberwachung wohl auch eine andere.

Quelle

Translate »