Fotoforensik

Sei es der Seitensprung eines Politikers, ein Raketeneinschlag im Krisengebiet oder der Blechschaden am eigenen Auto. Bilder dienen oft als Beweise, wobei unser Vertrauen in sie abnimmt. Ist es nicht heute verführerisch leicht, Fotos zu fälschen? Medien, Versicherungen, Rechtsanwaltskanzleien und auch die Polizei müssen sich oft auf Fotos verlassen, betrachten sie aber immer häufiger mit kritischem Auge.

Tatsächlich gibt es mittlerweile Experten, die sich darauf spezialisiert haben, zwischen den Pixeln des digitalen Bildmaterials zu lesen. Sie gehen mit Hilfe von Algorithmen am Computer auf Spurensuche. Ist das vorliegende Bild das Original? Wurde es manipuliert? Hat man Bildteile gelöscht? Kann es an der angegebenen Stelle und zum behaupteten Zeitpunkt aufgenommen worden sein?

Die Detektive des Digitalen nennen sich Bildforensiker. Sie interessieren sich nicht für Fingerabdrücke und Hautpartikel, Projektile oder den letzten Anruf auf einem Handy. Ihr Tatort liegt im Virtuellen. Ihnen geht es um Spuren, die Fälscher auf Fotos hinterlassen haben. Fotoforensiker interessieren sich für Sensorrauschen, Farbinterpolation und Pixeldopplungen. Kurzum: für alle modelltypischen Kamera-Eigenheiten. Wurden alle Objekte in der selben Lichtsituation aufgenommen? Was sagen die Metadaten? Die Thumbnails? Der Fingerprint der Kamera?

Original

Ein partiell gestörtes Sensorrauschen kann zudem auf Manipulationen hinweisen. Formatbasierte Techniken beschäftigen sich mit allem, was die Kompression von Bildern begleitet. Die Art der Quantisierungstabelle kann verraten, ob ein JPEG aus der Kamera kommt, also das Original ist, oder ob es von einem Bildbearbeitungsprogramm erzeugt wurde. Die üblichen Komprimierungsartefakte können auch auf eine Manipulation verweisen, wenn sie partiell nicht vorhanden oder anders vorhanden sind. Auch doppelte Komprimierungen können verdächtig sein. Selbst im Pixelbereich finden Bildforensiker Hinweise: Duplikat-Detektoren erkennen, welche Bildteile mit dem Kopierpinsel eingefügt wurden – sie kommen dann nämlich mehrfach im Bild vor.

Wenn Bildteile vergrößert wurden, entstehen durch Interpolation Pixel, die verräterisch gleichmäßig sind. Auch pure Physik und Geometrie helfen bei der Arbeit: Sind alle Objekte gleich beleuchtet? Sind die Glanzlichter am Auge stimmig? Hat ein Objekt die passende Größe in einer bestimmten Entfernung? Fürs Auge sind diese Fehler häufig nicht sichtbar, aber Algorithmen haben dafür einen besseren Blick.

Photoshopped

Natürlich kann man nicht jedes Mal bei einer vermeintlichen “Fake News” einen Forensiker engagieren, damit dieser einem verrät ob das Bild gefälscht oder echt ist, und auch das eigene Auge irrt sich öfter als wir es selbst bedenken . . . doch es gibt mittlerweile eine Hand voll nützlicher Software und Online-Dienste, die diese Arbeit 100% kostenlos anbieten !

 

Die Software kann also mehr als exif-Daten (Metadaten in digitalen Bildern) auslesen?

Die exif-Datei enthält ein paar Informationen über das Kameramodell, sie sagt zum Beispiel, mit welcher Brennweite das Foto aufgenommen und ob der Blitz ausgelöst wurde. Enthalten sind Uhrzeit und Datum und je nach Modell auch die GPS-Daten. Das Problem mit diesen Daten ist nur, dass sie auch nach einer Bearbeitung sehr einfach dem Bild hinzugefügt werden können. Ich spreche davon, wie eine Jpeg-Datei gespeichert wird. Es geht hier um Hunderte von Voreinstellungen – von Design bis hin zur Kompression – die von den Entwicklern festgelegt worden sind und die bei jedem Kameramodell anders sind. Das zu beeinflussen, ist für „normale“ Leute kaum möglich !!!

Inwiefern ist das für Journalisten bei der Überprüfung von Photos nützlich?

Sie können überprüfen, ob ein Bild, das sie von einem Bürgerjournalisten oder Fotografen bekommen haben, direkt aus der Kamera kommt oder nicht. Das ist natürlich ein sehr strenges Kriterium. Es reicht, dass sie ein Bild in iPhoto öffnen und dann exportieren, so dass es seine Charakteristiken als Originalphoto verliert. Das bedeutet ja noch nicht, dass sein Inhalt manipuliert wurde. Sie können bei Bildern den Kontrast oder die Helligkeit verändern, ohne dass der Inhalt sich verändert. Was sich Organisationen wie AP oder Reuters empfehle ist: Lasst Euch von Euren Fotografen auch immer das Originalfoto schicken. Das kann man mit dem bearbeiteten Foto vergleichen und selber entscheiden: Ist es korrekt beschnitten, sind die Farb- oder Kontrastanpassungen im Rahmen. Wenn die Leute wissen, dass sie das Originalfoto mitschicken müssen, werden sie sich bei der Bearbeitung zurückhalten und weniger manipulieren um die Story auszuschmücken !!!

Was ist eine Manipulation?

Das ist eine interessante Frage. Wenn sie etwas aus einem Foto heraus retouchieren oder eine Person oder Objekt hinzufügen, ist das eine klare Manipulation. Aber man muss da differenzieren. Es kommt auf den Kontext an. Wenn sie für ein Modemagazin arbeiten und auf einem Bild etwas im Hintergrund stört, können sie das entfernen, ohne dass sich jemand darüber beklagen wird. Nehmen wir ein anderes Beispiel. Vor einigen Jahren veröffentlichte das Time Magazine auf der Titelseite ein Foto von OJ Simpson, als dieser wegen Mordes angeklagt war. Der Kontrast war stark erhöht, was zur Folge hatte, dass OJ Simpson besonders dunkel und ernst rüber kam. Das brachte dem Magazin den Vorwurf des Rassismus ein. Dieses Beispiel zeigt, dass eine simple Bildbearbeitung wie das Anheben des Kontrastes in einem bestimmten Kontext von enormer Bedeutung sein kann. Das Gleiche gilt für die Kriegsfotografie. Sie müssen nur den Kontrast von Rauch und Feuer anheben, um eine Situation gleich viel bedrohlicher erscheinen zu lassen. In anderen Fällen hat die Kontrast-Anpassung keine Bedeutung für die Bildaussage.

Die Entscheidung, ob eine Bearbeitung angemessen ist oder nicht, ist eine sehr komplexe Angelegenheit.
Der Kontext entscheidet !!!

 

 

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1 Kommentar auf "Fotoforensik"

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