Marketing oder versteckte Botschaft?

Mittlerweile ist unbestreitbar, das “Mysteriöse” beschäftigt und fasziniert uns Menschen immer mehr. Auch auf Youtube stellt sich oft die Frage: Wie echt ist all das, was ich da tagtäglich zu sehen bekomme? Sind die wirklich so aufgedreht und bekloppt oder spielen die nur eine Rolle für die Kamera? Auf die Spitze getrieben hat das der Kanal “That Poppy der in den letzten Wochen und Monaten zu allerlei Vermutungen verleitet. Ein genialer Schachzug der Musikerin, wie ich finde …

Wenn man zum ersten Mal diesen Kanal betritt, kann man fast nicht anders, als völlig verstört zu sein … und sich anschließend zu Fragen: Was soll das ???

Musik wie aus einem Horrorfilm … ein hübsches Mädchen, das wie ein Roboter spricht … Ende.
So sehen fast alle Videos von Poppy aus und das regt die Internetgemeinde natürlich an, über den Sinn dieses Kanals zu spekulieren … wird Poppy von fremden Mächten gesteuert ???

 

Was steckt also hinter diesem Projekt?

Wer sich etwa Poppys Youtube– und Twitter-Accounts etwas genauer ansieht, wird feststellen, dass beide bereits 2011 angelegt wurden. Auf beiden Plattformen finden sich aber nur noch die Inhalte, die ab 2014 entstanden sind  … der Rest wurde deaktiviert oder gelöscht.

Doch wie man schnell herausfinden kann, hat sie anscheinend auch schon vorher Musik gemacht, nämlich Coversongs. Poppy trug damals noch den Namen Moriah Poppy und war mit braunen Haaren unterwegs. Bei tumblr und Soundcloud finden sich sogar noch ganze Songs unter ihrem alten Künstlernamen. Man versuchte aber anscheinend diese Vergangenheit aus dem Netz zu löschen. Es existiert nach außen nur noch die Kunstfigur Poppy

Hinter den Videos auf ihrem Kanal steckt der Regisseur und Autor Titanic Sinclair, der ähnliche Videos auf seinem Youtube-Kanal veröffentlichte, aber auch gemeinsam mit anderen Künstlern gedreht hat. Sein vorheriges Projekt „Mars Argo“ sieht Poppy übrigends sehr ähnlich, aber hier war die Sängerin noch etwas eigenständiger und Titanic Sinclair noch offizieller Teil (vor der Kamera) des Projekts. Kurz bevor Poppy “die große Bühne betrat” verschwand “Mars Ago” von der Bildfläche und hinterließ ein völlig verwirrendes Video mit der Länge von 3:36min, in dem sie mit einer Waffe herum fuchtelt und “Everybody wants it all” mehrfach wiederholt.

… und nach so einem Video erscheint dann die sehr mysteriöse Poppy … was soll man dazu noch sagen ?!

 

Um ihre Person ranken sich viele Vermutungen.

Und sie feuert diese auch kräftig an, denn Poppy sitzt in ihrem Musikvideo „Lowlife“ dann auch mit satanischer Geste und Illuminaten-Dreieck im Hintergrund, kurz bevor sie mit dem Teufel persönlich zu Abend isst. Wenn man möchte, kann man hier, genauso wie in ihren übrigen Videos, allerhand hineininterpretieren.

Was haben die Augen auf ihrer Kleidung zu bedeuten? Warum nutzt sie die Symbolik von Satan? Was für ein geheimnisvolles Gas atmet sie da ein? Und wieso signiert sie Autogramme mit einem Pinsel voller roter Farbe? Wenn man dann den Werdegang ihrer Videos auf ihrem Kanal betrachtet, spürt man mit dem Erfolg auch eine klare Veränderung der Videos. Anfangs scheint sie glücklich zu sein und den Anweisungen spielerisch zu folgen, wo sie im späteren Verlauf schon ziemlich krank wirkt.

Hinter all den Mysterien steckt ein solider Pop-Song. Und genau das scheint der Knackpunkt zu sein. Sie ist nicht nur bei einem kleinen Indie-Label, sondern bei Island Records (und mittlerweile bei Interscope Records), das wiederum zu Universal gehört. Dem größten Musiklabel der Welt. Das verstörende Mädchen von Youtube war nur der Anfang für eine Kunstfigur, deren primäres Ziel es offenbar ist, erfolgreich Musik zu machen und ganz nebenbei einer ganzen Branche den Spiegel vorzuhalten:

Sind Künstler wirklich noch sie selbst?
Mögen Fans alles was sie tun, egal, wie merkwürdig das ist?
Wer bestimmt, wie ein Musiker sich öffentlich präsentiert?

Das ist eine Art der Konzeptkunst, welche die Mittel moderner Medienkommunikation für sich nutzt. Was sich bei „normalen“ Youtbern oft erst mit einem gewissen Erfolg ergibt – nämlich eine Single zu veröffentlichen – gehörte hier scheinbar von Anfang an zum Plan. Beeindruckend ist, dass Poppy ihre Kunstfigur auch bei öffentlichen Auftritten perfekt durchzieht. In einem Video des Senders 92.3 AMP Radio ist ein – zugegebenermaßen – schlecht vorbereiteter  Moderator zu sehen, den sie damit sichtlich aus der Fassung bringt.

 … absolut genial !!!

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